„Besonders“

von Thomas Peters

 

Manchmal fühle ich mich leer. Oft erfüllen mich irgendwelche positiven oder – weil auch das zum Leben gehört – negativen Gefühle. Meistens fühle ich mich aber auch so normal, dass ich mich bewusst gar nicht frage, wie ich mich fühle.

Jetzt gerade fühle ich mich leer. Eigentlich sollte ich mich aber traurig fühlen. Das tue ich auch irgendwie … aber noch verborgen, ganz dumpf nur, denn noch fühle ich mich eben leer. Es dauert, bis Trauer sich in einem hocharbeitet, wenn etwas Unvorhersehbares passiert.

Eine Bekannte von mir ist gestorben. Sie war lebensbejahend und erst 34 Jahre alt. Sie hatte viel Humor und Kreativität. Sie war kommunikativ und offen und fand viele Freunde. Sie hatte neben der Arbeit eine Zusatzausbildung absolviert. Sie war gesellschaftspolitisch engagiert und ein guter Mensch. Sie hatte gerade den Führerschein gemacht und war stolz auf ihr eigenes Auto. Sie war vor wenigen Monaten mit großer Freude im Tauchurlaub. Sie war wie viele Menschen und doch wie nur wenige. Denn sie saß im Rollstuhl und das machte viele Sachen in ihrem Leben besonders: besonders schwierig, besonders bemerkenswert. Sie war besonders!

Es ist mitten im Sommer und es sollte nicht regnen. Sie stand mitten im Leben und sollte nicht gewesen sein. Allmählich weicht die Leere der Trauer.

 

In diesem Youtube-Video liest Patrick Roche den Text:

 

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